Zeitzeugendialog

 

 

Zeitzeugendialog – wir haben bewusst diesen vieldeutigen Begriff für unser Arbeitsfeld gewählt, denn es ist ein Dialog auf vielen Ebenen.

 

Es ist ein Dialog...

  • durch Zeitzeugen zwischen Deutschland und Tschechien: Tschechen berichten in Deutschland, Deutsche in Tschechien, und bringen einander ihre Geschichte näher.
  • mit Zeitzeugen: Tschechische und deutsche Jugendliche kommen mit Zeitzeugen ins Gespräch.
  • unter Zeitzeugen: Tschechische und deutsche Zeitzeugen tauschen ihre historischen Erfahrungen aus und diskutieren miteinander.
  • über Zeitzeugen: Wir informieren über Methoden und Trends der Oral History, machen Erkenntnisse für die Praxis nutzbar, veranstalten Fortbildungen für Lehrende und Schüler/innen.
  • der Generationen: Tschechische und deutsche Jugendliche befragen die Generationen ihrer Eltern, Groβeltern und Urgroβeltern.
  • mit der Geschichte: Gespiegelt in der Geschichte des Nachbarlandes eröffnet sich eine neue, erhellende Perspektive auf die eigene Vergangenheit.
  • unter Nachbarn: In einer einzigen Begegnung mit Zeitzeugen lernen tschechische und deutsche Jugendliche mehr über ihr Nachbarland als in ihrer gesamten übrigen Schulzeit.

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Stirbt ein alter Mensch,

dann verbrennt eine ganze Bibliothek

 

(afrikanisches Sprichwort)

 

 

Der Einsatz von Zeitzeugen bildet einen Schwerpunkt in der interkulturellen Bildungsarbeit der Brücke/Most-Stiftung zur deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit. Besonders junge Menschen sind fasziniert von der Begegnung mit unmittelbaren Zeugen bedeutender historischer Ereignisse. Hinter Begriffen und Jahreszahlen scheint dann die menschliche Dimension der Geschichte auf, ein persönliches Schicksal bebildert die historischen Abläufe. In individueller Perspektive werden die Ereignisse zum Leben erweckt und vorstellbar. So wird zum Beispiel anschaulich, wie eine totalitäre Gesellschaftsform durch Überwachung, Terror, Diskriminierung und Verfolgung konkret in das Leben eines Menschen eingreift.

 

Für die historisch-politische Bildungsarbeit ist von Bedeutung, dass solche Lernerlebnisse besonders nachhaltig erinnert werden. Wie wichtig dies etwa im Blick auf aktuelle rechtsextreme und fremdenfeindliche Tendenzen ist, muss nicht betont werden. Noch steht im Zentrum unserer Zeitzeugenarbeit der Holocaust. Wer sich mit Auschwitz beschäftigt und dann mit einem Überlebenden gesprochen hat, wird jeder Verharmlosung des Holocaust mit großer Skepsis begegnen.

 

Langjährige Erfahrungen in Oral-History-Projekten haben uns gelehrt, dass der sinnvolle Einsatz von Zeitzeugen in der Bildungsarbeit sehr viel mehr verlangt, als Menschen einer bestimmten Generation zu finden und erzählen zu lassen. Wir bringen dieses Wissen in jedes Projekt ein und geben es im Rahmen von Fortbildungen weiter.

 

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„Die persönliche Begegnung mit Frau Miková und ihr Bericht waren eindrucksvoller, bedrückender und nachhaltiger als alles, was ich bisher über den Nationalsozialismus und den Holocaust gelesen oder gesehen habe.“

 

„Die bestehenden Vorurteile – man hätte ja schon so viel über den Nationalsozialismus im Unterricht gehabt – wurden weggewischt. Die Aufmerksamkeit und Bereitschaft zur inneren Anteilnahme waren durch die persönliche Begegnung sehr hoch.“

 

Hans-Hinrich Kahrs, Geschichtslehrer am Gymnasium Warstade/Hemmoor, nach einem unserer Zeitzeugengespräche

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